TOURENBESCHREIBUNG
Die Wanderung führt vom Bahnhof Seebenstein den ersten Kilometer
entlang der B54 Richtung Scheiblingkirchen bis zur Abzweigung nach Natschbach.
Der Strasse nach Natschbach bis ca. 200m nach der Autobahnunterführung folgen,
hier zweigt ein Forstweg nach Westen in den Wald ab, auf diesem bis zu einer
Weggabelung gehen. Bei der Gabelung den linken bergan führenden Weg wählen.

Der weitere Wegverlauf ist sehr gut markiert, jede Abzweigung gut beschildert
bzw. gekennzeichnet.
Achtung bei der ersten Kennzeichnung nach Gleißenfeld (blaue Markierung) nicht
abbiegen, sondern gerade aus gehen. Bei der nächsten Gabelung über den Steig
hinunter zur Waldkapelle (grüne Markierung) gehen.



Nach einer kurzen Rast bei der Waldkapelle der Grünen Markierung hinunter nach
Gleißenfeld folgen. Nach ca. 700m erreicht man wiederum die
Autobahnunterführung, von wo man bereits das nächste Ziel " die Ruine
Türkensturz sehen kann. Weiter die B54 und die Bahngeleise überqueren, und der
Strasse nach Gleißenfeld folgen, kurz nach dem Gasthof links in die Gasse
einbiegen, am Ende dieser Gasse weiter nach N, und die Brücke über die Pitten
überqueren.


Hier beginnt der schwierigste Teil der Wanderung, ca.45 Minuten, etwas steilerer
Anstieg hinauf zur Ruine. Für Klettersteiggeher befindet sich bei einer
Steinpyramide die Abzweigung Zum Pittentaler Klettersteig (C-D) jedoch nur mit
kompletter Klettersteigausrüstung begehbar.
Der Normalweg führt weiter über den Waldsteig aufwärts bis zu einem Sattel, wo
sich wieder eine Weggabelung befindet. Es lohnt sich aber den kurzen Abstecher
(5 Minuten) hinauf zur Ruine zu gehen.



Wieder zurück bei der Weggabelung dem Hinweisschild Sollgraben (grüne
Markierung) folgen, im Sollgraben nach N entlang der Wiese weiter bis zur Burg
Seebenstein gehen. Von der Burg sind es noch ca. 30 Minuten hinunter zum Bahnhof
in Seebenstein.



Die Geschichte der Burg
beginnt für uns im Jahre 1170, als "Sewenstein" erstmals urkundlich genannt
wurde. Anzunehmen ist jedoch, das die Burg sowie 16 weitere Anlagen der Umgebung
schon kurz nach der Schlacht bei Pitten gegen die Ungarn, im Jahre 1042 unter
den Formbach-Neubburgern erbaut wurde. Strategisch günstig an der für das gerade
entstehende Wien so wichtigen Fernhandelsstraße über den Hartberg nach Süden
gelegen, der jetzigen Wechselbundesstraße, die schon von den Römern erbaut
wurde. Der Herzog von Österreich überließ im 14. Jhdt die Herrschaft den
steirischen Liechtensteinern, im 15. Jhdt erweiterten die Seebecker die Burg und
17. Jhdt kam die Herrschaft dann in den Besitz der Königsberger aus Kärnten.
Erst die späteren Protestanten und Freiherren vergößerten das Hoschloß zu seiner
heutigen Gestalt.
Ort und Burg Seebenstein wurde zwar nie zerstört, jedoch mußte man sich auf der
Burg, in die sich teilweise Hunderte Bewohner flüchteten, im 15. Jhdt gegen die
Ungarn als 1488 Matthias Corvinus die Burg belagerte, und im 16. & 17. Jhdt
gegen die Türken bewähren, die die Gegend in Angst und Schrecken hielten.
Wie schon die Königsberger bekannte sich auch der "wohledle und gestrenge Carl
von Pergen aus niederländischem Adel", seit 1654 Burgherr auf Seebenstein, zum
protestantischem Glauben. Schnell wurde der Familie pergen jedoch die Burg
unbequem, und so ließ sich der Graf von Pergen 1733 im Tal das Schloß
Seebenstein, umgeben von einem großen englischen Garten, erbauen. Die Burg
verfiel.
50 jahre später kam jedoch wieder Leben in die alten Gemäuer, in Form des David
Anton Steiger, der den mittlerweile ruinös gewordenen Bau pachtete und in den
Schloßräumen seine Mineralien- und Holzsammlung einrichtete. Zu seiner Gründung
einer Rittergesellschaft lesen sie weiter unten Genaues. Nachdem der Riterbund
verboten wurde, erwarb Johannes Karl Reichsgraf von und zu Liechtenstein die
Herrschaft Seebenstein. Der berühmte Fabrikant, Pferdezüchter und Sammler ließ
zwar das Wohnschloß fürstlich ausstatten, jedoch ließ er Teile der noch intakten
Burg abtragen und in eine künstliche Ruine verwandeln. Frau Lilly Nehammer-Prinz,
seit 1942 Burgherrin, schuf hier ein sehenswertes Burg und Schloßmuseum. die
Öffnungszeiten entnehmen sie bitte am Ende der Seite.
Aber wenden wir uns nun der Burganlage zu. Man betritt von
der Turnierwiese her, welche einst Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden war, die aber
alle abgetragen wurden. Der noch vorhandene Brunnen soll einst eine Tiefe von
150 Metern erreicht haben. Die Wippbogenbrücke aus dem 11. Jhdt wird durch einen
ihr vorgelagerten, zinnengekrönten Torturm beschützt, dessen oberes Stockwerk
ausschließlich durch eine Leiter bestiegen werden konnte und mit Pechnasen zur
Verteidigung ausgestattet ist. Neben den Fürstenzimmern der Liechtensteiner
bieten die Schauräume reiches Kulturgut, ua. Gotik aus Adneter Marmor, einen
Globus des Peter Anich und Porzellan der Katharina Schratt.
Die Altritterliche Gesellschaft zum Nutzen und
Vergnügen der Wildensteiner zur blauen Erde
Wer die Burg Seebenstein schon einmal besucht hat, findet auf ihr nicht nur
Sehenswürdigkeiten von historischer Bedeutung, sondern auch die Wurzeln einer
ritterlichen Idee neuerer Zeit. 1790 hatte dort Hofrat Anton David Steiger als
Hainz am Stein mit dem Beinamen der Wilde, die Wildensteiner Ritterschaft zur
Blauen Erde gegründet und damit das Rittertum des Mittelalters im Sinne der
Romantik wieder aufleben lassen. Es begann alles im Jahre 1775, als der
Mineralogiestudent David Steiger erstmals als Grubenknappe unter Tag gefahren
war. Wenig später hatte er im Dienste des Vaterlandes Steinkohlenflöze in Edlitz,
Krumbach und bei Ödenburg, Blauspaltlager bei Krieglach, Eisenerz bei Edlach und
Schwefelgruben bei Gloggnitz geortet. Kurz darauf jedoch zwangen den Steiger
widrige Umstände dazu, sich seinen Lebensunterhalt als Zahlmeister der Wiener
Neustädter Militärakademie zu verdienen. Der Graf von Pergen verpachtete ihm zu
dieser zeit die Burg Seebenstein, die er wohnlich einrichtete und seine bereits
von fachlicher Seite anerkannte Mineralien- und Hölzersammlung, die ihm auf
seinen Entdeckungsreisen unter der Hand entstanden, ausstellte. Er war
enttäuscht vom Undank der Welt und versuchte jetzt idealen Vorstellungen hoch
über den irdischen Gefilden nachzuleben. Denn hier auf Burg Seebenstein erhob
Steiger, der damals noch junge Mann aus dem Ödenburger Komitat, die romantische
Idee von der blauen Erde zum Programm. Und das schon lange bevor
Hardenberg-Novalis aus dem Mansfeldischen seinen "Heinrich von Ofterdingen"
konzipierte und die beiden Erlanger Studenten Ludwig Tieck und Wilhelm Heinrich
Wackenroder ihren Abenteuern auf der Suche nach der blauen Blume dichterischen
Ausdruck verliehen hatten, und ein ganzes Jahrzehnt bevor Kaiser Franz II. den
Grundstein zu seinem mittelalterlichen Traumreich in Laxenburg legte. Steiger
wollte die Mitwelt auf eigene Art mit seiner Entdeckung der blauen Erde bekannt
machen. Der Schwärmer für vaterländische Geschichte, Sitte, Wehr und Ehr
begründete also 1790 mit einigen Gleichgesinnten als deren "Oberritter Heinz am
Stein der Wilden" eine "Altritterliche Gesellschaft zum Nutzen und vergnügen der
Wildensteiner zur blauen Erde". Diese ritterliche Gesellschaft im Sinner der
Romantik gaben sich selbst Namen wie "Parzival von Elß", "Alf von Sonnenstein"
oder "Brauser zu Heldenmut" an. "Fingal vom stürmischen Morpheus" war deren
"Burgpfaffe", als "Gauarzt" gab sich ein "Hans der Futacker" und gegenseitig
redeten sie sich mit "Ihr Ritter" an. Im übrigen unterschieden sie sich als
Ritter, Turnier-Freiknappen und titulierten sich auch als "Großalmosenier",
"Turniermarschall", "Prunkmeister", "Siegelbewahrer", "Schirmvogt", "Kanzler",
"Geheimschreiber" oder auch "Schöppe". Es waren Zeiten der Unruhen, die
Französische Revolution stand in ihrem ersten Jahr, das Heilige Römische Reich
vor dem letzten Jahrzehnt seines Bestehens. Und auf Burg Seebenstein trabten,
phantastisch kostümiert mit wippenden Federbüschen, die Wilden zu Seebenstein
auf zahmen Rossen zum "Gejaide", sie "turnierten", "tjosteten", "taidingten" und
unter Weihrauchdampf zu Orgelklang erdröhnte in der Burgkapelle ihr
Wildensteiner Meßlied: "Wir werfen uns darnieder..."
Und obwohl ihr verschnörkeltes Ritterspiel auf der Turnierwiese vor Burg
Seebenstein auch schon Zeitgenossen als "au ridicule", ans Grotesk-Lächerliche
grenzend empfanden, zählten zur Altritterlichen Gesellschaft der Wildensteiner
zur blauen Erde als "Ehrenritter" und "Großmeister" namhafte Persönlichkeiten
wie etwa Karl August von Weimar, Goethes Freund und Mäzen, der Erzbischof von
Olmütz, Prinz Leopold von Sachsen-Coburg, der nachmalige König der Belgier,
Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Wilhelm I. und Erzherzog Johann, der
damals im benachbarten Thernberg weilte. Mitglied kannte nur der werden, der vor
der Gemeinschaft einen Schwur leistete. Doch wie hat man sich solch ein
Aufnahmeritual vorzustellen?!? Folgendes hat sich auf Burg Seebenstein
tatsächlich so zugetragen: "Man hatte ihm die Augen verbunden, und zwei
Unbekannte eskortierten ihn durch Gänge und über Stiegen. Die Begleitung hielt.
Ein Seil schlang sich um seinen Körper, und widerstrebend fühlte sich der
festgebundene in feuchtmodrige Luft abwärts schweben. Schon umfingen ihn starke
Arme und drückten ihn lautlos auf den naßkalten Estrich nieder. Jemand nestelte
an seinem Wamst, öffnete das Hemd und nahm ihm die Binde von den Augen. Im
qualmenden Fackelschein sah er zwei Ritter mit geschlossenem Visier, in langen
schwarzen Mänteln über sich. Ihre gezückten Schwerter wendeten sich gegen ihn -
und blaue Erde bröckelte auf seine entblößte Brust. Markige Worte leiteten nach
der Verließ-Mutprobe die Zeremonie des Ritterschlages ein: "Urwesen - Allmacht,
Geduld, Gehorsam, Mut, Standhaftigkeit..." Unter heroischem Schwertgeklirr
schwur man vor der Büste des Herrschers im "Gerichtssaal": "Alles für Gott,
Kaiser, Österreich und Vaterland."
Der wichtigste Tag aber kam mit dem 28. Mai 1811 für die Gemeinschaft auf
Seebenstein. Im Spitzzimmer des Hochschlosses, wo Steiger seine geliebte
Mineraliensammlung aufbewahrte, bekam der überglückliche Oberritter bei einem
persönlichen Besuch vom Monarchen Kaiser Franz II, einem anerkannten Kenner der
Pflanzen und Steine, zu hören: "Diese Sammlung macht ihnen viel Ehre." Auch
sonst zeigten "Majestät bei Angesicht der Seltenheiten, Altertümer und
Kunstwerken allenthalben viel Vergnügen. Ich finde alles über alle Erwartungen,
mündliche das Mehrere." So verabschiedte sich der Kaiser bei David Steiger. Doch
das "Mehrere" kam schriftlich. Denn 1812 erreichte den bereits zum "Herrn
Zahlmeister der k. k. Militärakademie zu Wiener Neustadt" emporgekommenen eine
Urkunde, die ihm und seinen Nachkommen seiner Verdienste um die vaterländische
Industrie wegen ab sofort zugestand, sich "Edler von Amstein" zu nennen. Dieser
Titel hielt sich jedoch lediglich 11 Jahre, denn am 30. April 1823 hielt David
Steiger erneut ein Schriftstück vom königlich-kaiserlichen Wiener Hof in seinen
Händen. Diesmal jedoch wurde er von höchster Stelle dazu aufgefordert, "... die
Gesellschaft unverzüglich gänzlich aufzulösen und ihre Versammlungen für immer
einzustellen". Die gegen jede Art von Vereinigungen, auch solche die in seines
und des Vaterlandes Namen, allergische Majestät hatte die Altritterliche
Gesellschaft trotz geäußerten Wohlgefallen als möglicherweise staatsgefährliche
Geheimbündelei entdeckt. Offiziell wurde die Gesellschaft aufgelöst, jedoch ist
stark anzunehmen das sich die Mitglieder fortan im Geheimen trafen. Ab Mitte des
19. Jahrhunderts folgten immer mehr Ritterbünde diesem Beispiel und 1884 wird
bereits von 32 solcher Vereinigungen in Bayern und Österreich berichtet.
Die Gegend um den Ort und Burg Seebenstein ist heute ein
großzügig angelegter Naturpark. Des weiteren gibt es einen Waldlehrpfad,
Naturteiche, und eine künstliche Ruine, den "Türkensturz", die schon von der
Autobahn aus gut zu sehen ist. Die Legende erzählt, das im September 1532 ein
Türkenheer bei Enzesfeld-Fischau vernichtend geschlagen wurde. Leichte türkische
Reiter (Akintschi genannt) wurden bei ihrem überhasteten Rückzug in das
Pittental versprengt. Sie sollen von erbitterten Bauern über die Felsen bei
Gleißenfeld gehetzt und in den Tod gestürzt worden sein. Zur Erinnerung daran
und als romantischen Landschaftsschmuck ließ Fürst von und zu Liechtenstein
1824/25 an dieser Stelle eine künstliche Ruine errichten, den Türkensturz.