Wanderung
von Stift Heiligenkreuz zum Peilstein weiter nach Weissenbach an der Triesting
TOURENBESCHREIBUNG
Nach Ankunft mit dem Bus beim Stift Heiligenkreuz
beginnt die Wanderung auf den Spuren der Via Sacra bzw. des bekannteren
Begriffes Wiener - Mariazeller Pilgerweg 06.
Der Weg führt am Stift vorbei nach W den Sattelbachüberquerend die Stufen hinauf zur Allander Bundesstraße die man überquert
und parallel zur Straße bis kurz vor die Kreuzung nach Maierling im Wald
entlang geht, nach ca. 1 Km überquert man die Straße wiederum und geht nach SW
hinunter nach Maierling.
Ab Maierling folgt man der Straße nach Maria
Raisenmarkt die man nach ca. 800m nach N und nach weiteren 100m wieder nach
Westen der Markierung 06 folgend verlässt. In Maria Raisenmarkt führt der Weg
vor der Wallfahrtskirche nach Wwo
man nach ca 800m den Weg06 verlässt du der Markirung 01hinauf zur Ruine Arnstein folgt. Nach weiteren 2Km erreicht man das
Peistein- Schutzhaus wo man zur Mittagsrast einkehrt.
Nach der Mittagsrast führt der Weg weiter nach SW der
Markierung 01 folgend hinunter zur Peilsteinhütte, an dieser vorbei hinunter
nach Neuhaus wo man der Straße nach W bis zur Kreuzung nach ca.300m folgt, wo
man nach S abbiegt und entlang der Straße noch ca. 600m geht. Man ünberquert
die Straße und geht über eine kleine Brücke hinauf in den Wald wo man dem Weg
bis Weissenbach folgt. In Weissenbach überquert man die Bundesstraße und
erreicht nach 200m den Bahnhof und somit das Tagesziel.
Streckenlänge
ca. 14 Kilometer
Anstieg
ca. 650 Höhenmeter
Abstieg
ca. 600 Höhenmeter
Gesamtgehzeit
ca. 5 Stunden
Leichte Wanderung
DIE
GEISTERSAGE ZU ARNSTEIN
Von der in
der Waldeinsamkeit auf einem Hügel thronenden Ruine von Arnstein bei
Raisenmarkt geht die Sage: In der Geisterstunde erscheint auf der romantischen
Ruine ein Reiter auf einem Schimmel, der scheinbar keine Ruhe findet. Nur die
Frommen sehen ihn und sie müssen ihn ansprechen, um seine Seele zu retten.
Sechzig Jahre ist es her,
dass der zweite Weltkrieg beendet wurde. Für den Schöpfwerk-Schimmel erinnern
sich vier Bewohnerinnen und Bewohner des Neuen Schöpfwerks und Umgebung an das
Kriegsende, das sie als Kinder miterlebt haben.
Mit elf Jahren auf der Flucht
von Gertrude Zimmerhackl
Im
Jahre 1944, als die Fliegerangriffe häufiger wurden, hätte es auch uns beinahe
erwischt. Mein Vater ist 1943 in Russland gefallen, ich bin mit meiner Mutter
alleine. Wir sitzen im Luftschutzkeller, das Krachen und Heulen kommt immer näher,
die Gespräche verstummen. Das Licht verlöscht, die Mama drückt mich hinunter,
beugt sich über mich, ich höre Ziegel fallen, unaufhörlich. Dann ist es
still. Taschenlampen werden eingeschaltet, um uns herum ist es grau wie dicker
Nebel, im Mund spüre ich Sand. Mama macht Taschentücher im bereitstehenden
Wasserfass nass, um sie vor Mund und Nase halten zu können. Dann kommt der
Luftschutzwart. Wir müssen sofort hinaus, ein Ausgang unseres Hauses ist durch
einen Bombentreffer verschüttet und vor dem zweiten Haustor liegt, wie sich später
herausstellt, „nur“ ein Blindgänger, also eine Bombe, die nicht
explodierte. Sie durchschlug die Außenwände des dritten und zweiten Stockes
und wäre normalerweise direkt in unseren Kellerraum gefallen. Glück gehabt!
Elf Tage
auf der Flucht Ende März 1945 im Schutze der Arnsteinhöhle.
Nach etlichen Fliegerangriffen in diversen Luftschutzkellern entschließt sich
die Mama, wie einige unserer Hausbewohner, Zuflucht in dem kleinen Ort
Raisenmarkt bei Mayerling zu suchen. Es sind viele deutsche Flüchtlinge dort
und wir bekommen gerade noch ein winzig kleines Zimmerchen in dem einzigen
Gasthaus.
Auch hier gibt es Fliegeralarm, das sieht dann so aus, dass wir in der Gaststube
beisammensitzen und das Ende des Alarms abwarten. Bis eines Tages das ganze Haus
durchgerüttelt wird, die Fensterscheiben klirren. Eine Bombe ist im nahen
Alland, vielleicht irrtümlich, abgeworfen worden. Die Angst kommt wieder. Bei
den nächsten Alarmen hetzen wir mit etlichen anderen Bewohnern den Wald hinauf
zur Arnsteinhöhle, dort sind wir sicher.
Zweimal noch wird unser Wohnhaus in Wien von Bomben getroffen. Einmal die Stiege
neben unserer, unsere Wohnung ein zweites Mal beschädigt, dann trifft es direkt
die unsere. Alles ist weg. Nach Kriegsende wird das einstmals große Haus
abgerissen.
Nach einem kalten Winter, mit kalten Füßen, kalten Betten und einem mühsam
beheizten Öfchen in unserem Zimmer, mit zum Teil unerlaubt gesammeltem Holz,
wird es Ende März 1945 klar, dass die Russische Armee nicht mehr weit ist. Alle
überlegen: im Ort bleiben? In den Wald flüchten? Jeder fürchtet
Schreckliches. Letzten Endes wird es wieder die Arnsteinhöhle. Gut fünfzig
Leute haben dort Zuflucht gesucht. Man rechnet mit zwei bis drei Tagen
Aufenthalt, es werden elf. Elf Tage am nackten Boden schlafen, mit einer Decke.
Nach zwei Tagen bleibt für uns nur noch Zucker, den ganzen Tag Zucker während
der restlichen Tage. Den hat die Mama klugerweise mitgenommen und Wasser vom
nahen Bach, sonst nichts. Die ganzen Tage hören wir den Geschützlärm, dann
wird es ernst: die Russen kommen.
Gertrude
Zimmerhackl in der Arnsteinhöhle fünfzig Jahre später.
Keine wilde Kriegshorde ist es, nur eine Gruppe müder, apathischer Männer
treibt uns unter Bewachung in den Ort hinunter, macht Meldung und dann müssen
wir zurück, weg aus dem Kampfgebiet, durchs Helenental Richtung Baden.
Bis Wien brauchen wir drei Tage. Schneller geht es nicht. Wir sind ausgehungert,
eine Mutter mit einem Fünfjährigen ist dabei und ich bin auch erst elf Jahre.
In einem Bauernhaus bekommen wir von Männern die sich versteckt halten, warmen
Kaffee. Einfach köstlich.
Und ich lerne die Triesterstraße hassen, sie scheint endlos zu sein und ist
menschenleer.
In Vösendorf können wir bei der Mutter der Frau mit dem kleinen Buben übernachten.
Es ist aber nicht ungefährlich. Voller Angst erzählt die Mutter von
benachbarten Frauen die von den Russen vergewaltigt wurden und die auch den
Soldaten den Aufenthalt anderer Frauen verraten haben! In der Dunkelheit führt
sie uns dann vorsichtig in ein leerstehendes Nebenhaus und wir schlafen, wie
gewohnt, am Fußboden, ich aber hinter einem Kasten und die Mama schärft mir
ein mich keinesfalls zu rühren, egal was auch geschehen sollte. Eine gute Nacht
war es, wie auch alle bisherigen, für mich nicht. Aber alles ist gut gegangen
und wir gehen die letzte Etappe nach Wien. Endlich sehe ich die „Spinnerin am
Kreuz“ und werde noch einige Male froh darüber sein.
Die Stadt ist beängstigend leer, die Haustore versperrt, die Fenster
geschlossen, es ist der 16.April 1945. Im elften Bezirk werden wir vorerst
einmal von Verwandten aufgenommen. Wir haben keine Wohnung, keine Kleidung und
nichts zu essen. Eine vorläufige Bleibe finden wir in der verlassenen, geplünderten
Wohnung einer geflüchteten Nazi-Familie. Zumindest sind Matratzen da zum
schlafen und Malzkaffee. Wir verheizen alles verfügbare Papier und Kartons,
kochen ununterbrochen Kaffee und Mama hat glücklicherweise noch Zucker. Ein
wahrer Luxus.
Mit
diesem Pferdeschlitten wurde in den umliegenden Wäldern Brennholz gesammelt.
Heute frage ich mich: wie oft haben wir uns eigentlich gewaschen? Haben wir überhaupt
irgendwann noch saubere Wäsche gehabt? Und Kleidung? Für mich waren es
apathische Tage, Tage die ich gleichmütig hinnahm wie sie eben kamen,
Kinderleben gab es nicht extra.
Dann entschließt sich die Mama nach Raisenmarkt zu gehen, natürlich zu Fuß,
es ist ja noch einiges unserer Habe dort geblieben, das sie holen will. Also
wieder die einsame, endlos lange Triesterstraße nach Baden. Vor dem Helenental
befindet sich ein kleiner russischer Kontrollposten, ein Jeep steht davor und
einige Soldaten. Die Mama wird unruhig und wir wollen eiligst vorbei. Aber auf
die wiederholten „stoj“-Rufe müssen wir stehen bleiben und ein Soldat höherer
Charge bedeutet uns in den Jeep einzusteigen. Mamas hartnäckige Weigerung nützt
nichts. So steigen wir ein, fahren durchs Helenental und biegen dann Richtung
Heiligenkreuz ab, obwohl wir geradeaus weiter müssten nach Mayerling. Mama ist
bleich und verstört und merkt nichts. Ich mache sie aufmerksam und sie
gestikuliert mit dem Obersten. Und der? Der lässt halten, hilft uns aus dem
Jeep, reicht Mama und mir die Hand und ich merke deutlich, dass er die Berge der
Erleichterung in Mamas Gesicht sieht.
In Raisenmarkt, in unserem Zimmerchen ist die Plünderung deutlich sichtbar. Der
Wirt weiß natürlich nichts. So marschieren wir am nächsten Tag wieder nach
Wien, die Mama mit einem Rucksack, ein Wäschekorb schaukelt zwischen uns und
ich habe meine Umhängtasche. So geht‘ s bis Wien. Vor einer leeren Villa
sitzt ein russischer Soldat, vor sich eine Reihe Marmeladegläser tiefsinnig
anstarrend. Er winkt uns näher und drückt uns einige davon in die Hand.
Holzbeschaffung
im Winter 1945.
Die Triesterstraße hat uns wieder, einsam, nur von russischen Soldaten mit
ihren Pferdewagen oder auch Autos befahren. Und da passiert es uns einige Male,
dass uns diese Soldaten anrufen und uns ein Päckchen ihres harten
„Komissbrotes“ oder Fleischkonserven zuwerfen. Es ist immer gut gegangen,
obwohl die Mama die ärgsten Befürchtungen hatte.
Noch einmal wagen wir uns nach Raisenmarkt um unser restliches bisschen Eigentum
zu holen. Auf der Triesterstraße hält ein russischer Pferdewagen, wir müssen
aufsteigen. Der Soldat lächelt uns ab und zu an, das Pferdchen zuckelt dahin,
irgendwann biegt der Wagen von der Straße ab, erreicht ein Dorf - wir sehen
„Gumpoldskirchen“ - und hält in einem großen leeren Hof.
Der Soldat steigt ab ohne uns zu beachten, geht ins Haus. Wir springen rasch ab
und laufen, laufen, laufen. Nichts ist passiert.
Wir erreichen Raisenmarkt und am nächsten Tag gehen wir, begleitet von einem
„Heimkehrer“, den kürzeren Weg über Heiligenkreuz und Gaaden Richtung
Wien, ohne unseren Begleiter, der in Mödling zuhause ist. Und dann, auf einem
Wiesenweg, kommen uns zwei russische Soldaten entgegen, eine große Milchkanne
zwischen sich tragend, bleiben bei uns stehen und schöpfen mit einem Blechhäferl
Wein aus der Kanne und geben es der Mama zum Trinken.
Die wehrt ab, aber die beiden nicht mehr ganz Nüchternen sagen „Krieg aus“
und da trinkt auch die Mama einen Schluck während die Tränen kommen. Dann soll
auch ich trinken, obwohl die Mama gestikuliert „ist noch Kind“, die beiden
winken ab „Krieg aus“ uns so komm auch ich zu meinem ersten Wein.
So haben wir das Ärgste relativ gut überstanden, obwohl wir noch lange
gehungert und gefroren haben und meine Mutter hartnäckig gekämpft hat um uns
zwei durchzubringen.
Ich habe in dieser Zeit jeglichen Krieg hassen gelernt, gelernt, dass es
grausame, rücksichtslose, hasserfüllte Menschen gibt, aber auch Menschen, die
uneigennützig und mitleidsvoll helfen, auch wenn sie eigentlich „Feinde“
waren.
ANREISE
Vom
Wiener Südbahnhof nach Mödling, umsteigen in den Bus nach Heiligenkreuz.
RÜCKREISE
Von
Weissenbach mit der Bahn nach Leobersdorf, umsteigen nach Wien Südbahnhof.
Strahlenden
Sonnenschein und gute Laune wünscht euch euer Wanderführer